»Metamorpha«

Instagram: york_wegerhoff
Instagram make-up artist Servulo

Auflage 6, Format: 42 x 63 cm | 48 x 72 cm, C-Print, Aludibond, Acrylglas, zertifiziert, nummeriert, signiert
Auflage 4, Format: 70 x 105 cm, gerahmt, Fineartprint, Hahnemühle Photo Rag, zertifiziert, nummeriert, signiert

 

Wiesbadener Fototage vom 17.8. – 01.09.2019 mit Fotografien von »Metamorpha« im Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

 

Die experimentellen Porträts von »Metamorpha« haben ihren Namen vom Begriff der Metamorphose in der Mythologie ( altgriechisch metamórphōsis Gestaltsumwandlung ).
Im Arbeitsprozess von Metamorpha durchlaufen die aus dem Bekanntenkreis gewählten porträtierten Personen zwei fotografische Schritte, in denen sie vorab in Zusammenarbeit mit dem make-up artist Servulo geschminkt werden. Die Komposition der beiden Arbeitsphasen besteht aus einem im Atelier aufgenommenen analogen fotografischen Ablauf ohne digitale Manipulation. In der ersten Phase wird das Porträt auf Diafilm abgelichtet, um dann in der zweiten Phase der Person wieder auf projiziert zu werden. Die Abbildung der Abbildung im Bild, die Fotografie in der Fotografie. In diesem zeitlich versetzten Prozess des überlagerten eigenen Porträts entwickelt sich ein neues, schwarz umhülltes, nicht greifbares Wesen – eine mystische Porträtikone.

Die Porträts von »Metamorpha« betreten einen Raum, dem verborgenen Teil einer Persönlichkeit. Ein Bereich, in dem die eigenen kulturelle und emotionale Identität, ein zweites Gesicht, eine innere Identifikation des Menschen, ruht. Jeder Mensch trägt verschiedene Gesichter oder Facetten in sich, die unterschiedlich stark ausgeprägt oder in der Eigenwahrnehmung realisiert werden. Die fotografische Folge aus sich überlagernden, nahezu identischen Abbildungen, bringt mysteriöse innere Wandlungsmöglichkeiten oder etwas Verdecktes in der Persönlichkeit zum Durchschein und spiegelt sich im Bildnis von Metamorpha wieder.

Das Kunst des Make-up ist ein bewusst eingesetzter Bestandteil im Konzept der Überlagerungen von Metamorpha. Es unterstreicht in den zwei Arbeitsphasen individuelle und charakteristische Gesichtszüge und -formen der porträtierten Personen. Im zweiten Bild trägt es sich malerisch als Projektion aus der ersten Abbildung auf das Gesicht auf.

In der keltischen Mythologie wird ein Eingang in eine andere Welt benannt, der unterhalb des Wassers liegt z.B. in der Tiefe eines Brunnens. Diese mystischen Vorstellung einer anderen Welt ist in Märchen und Sagen überliefert. Ein aus dem Wasser blickendes Spiegelbild ist die Erscheinung unseres Gesichts, dessen Wesen zu der unter dem Wasser existierenden Welt gehört. Die Ausrichtung der Porträts von Metamorpha ähneln diesem Gesicht.

Die drei Motive ‘Trikolore’ der Porträts von »Metamorpha« verweisen auf die Toleranz und die Gleichheit der Religionen. Das Thema bezieht sich auf die gegenwärtige, durch radikale Gruppen gezielt beeinflusste, weltpolitische Entwicklung, die Ausgrenzung, nationale und gedankliche Abschirmung und gewalttätige Auseinandersetzungen ins Innere der Gesellschaft dringen lässt. Die drei Porträts lassen ein gesellschaftliches Nebeneinander und Miteinander der drei Religionen sichtbar werden. Kein dramatischer Kampf der Kulturen findet statt, ein gesellschaftlicher Reichtum humaner Existenz.

„In »Metamorpha« nutzen ich eine Stärke der Fotografie, mit der es möglich ist experimentelle Wege einzuschlagen und Zusammenarbeiten eingehen zu können. Der Anfangsgedanke der Serie war eine Arbeit zu fotografieren, die mit Vorder- und Hintergrund, Licht und Schatten und Überlagerungen experimentiert. Damit habe ich mir die Möglichkeiten der Kreativität in der Bildgestaltung erweitert und in den Überlagerungen das Mystische in den Porträts verstärkt, ohne den realen Bezug zur Person zu verlieren.“

Der Großteil der Materie des Universums besteht aus einem unsichtbaren Stoff, der nicht von den bekannten Elementarteilchen der normalen Materie gebildet wird. Diese Dunkle Materie ist unter anderem dafür verantwortlich, dass Galaxien nicht infolge ihrer Rotation auseinanderbrechen. Doch bislang sind alle Versuche gescheitert, die als Wimps (Weakly Interacting Massive Particles) bezeichneten, hypothetischen schwach wechselwirkenden, massiven Teilchen der Dunklen Materie aufzuspüren oder abzulichten.

english version:

The extended portraits of Metamorpha lend their name from the process of metamorphosis (German: Metamorphose; Verwandlung). In the working process of Metamorpha the portraited person is running through a two time-shifted photographic step. The composition of this processing steps is created via a primarily analogue production, photographed in the atelier, without any digital manipulation or retouching. In the first phase the portrait gets mugged on a slide film and being re-projected on the face of the model in the second phase. In this time-shifted process of overlaying the own portrait creates a new, black covered, intangible being – a mystical portrait icon.
In the portraits of Metamorpha the borders of portrait photography are being misaligned and broaden. One is looking for the homogeneousness in the subject of a portrait, a portraiture and experiences a confusion between light reflection and light capture, sharpness and blurring, in the projection. The portraiture of the portraiture in the image, the photography in the photography.
The question of identity is based in the extended portraits of Metamorpha. In the coexistence of identity in a big city life the parts and perception of the humans appear again and again new and differently.