Die erweiterten Portraits von Metamorpha haben ihren Namen aus dem Prozess der Metamorphose. Im Arbeitsprozess von Metamorpha durchlaufen die Protagonisten zwei zeitlich versetzte, aufeinander- folgende fotografische Schritte. Jedes der Modelle wird nach einer konzeptionellen Idee fotografiert und vorab in Zusammenarbeit mit dem make-up artist Servullo Mendez geschminkt. Die fotografierten Personen sind keine professionellen Models, sondern aus dem Bekanntenkreis von Mendez und Wegerhoff gewählte Personen. In den Motiven von Metamorpha sucht man das einheitliche eines Portraits, einer Abbildung und erfährt dann die Irritation der Überlagerung. Die Komposition der beiden Arbeitsphasen bestehen aus einem analogen fotografischen Prozess ohne digitale Manipulation. In diesem zeitlich versetzten Prozess des überlagerten eigenen Portraits entwickelt sich ein neues, schwarz umhülltes, nicht greifbares Wesen – eine mystische Portrait-Ikone.

Das Thema der Identität des Menschen steht im Kern der fotografischen Serie Metamorpha. Im Nebeneinander großstädtischen Leben realisieren sich die Rollen und Erscheinungsformen des Menschen immer wieder neu und anders. Die fotografische Folge aus sich überlagernden, nahezu identischen Projektionen, bringt mysteriöse innere Wandlungsmöglichkeit der Persönlichkeit zum Durchschein. Wie ein Blick durch einen Spalt, der das Dahinterliegende erahnen lässt. Jeder Mensch trägt verschiedene Gesichter in sich, verkörpert ein dämonisches Potential, das sich in den Motiven von Metamorpha wiederfindet.

In der keltischen Mythologie wird ein Eingang in eine andere Welt benannt, der unterhalb des Wassers liegt z.B. in der Tiefe eines Brunnens. Ein aus dem Wasser blickendes Spiegelbild ist die Erscheinung unseres Gesichts, dessen Wesen zu der unter dem Wasser existierenden Welt gehört. Die mystischen Portraits von Metamorpha # ähneln diesem Gesicht.

Die drei Motive von Metamorpha #Trikolore gehören zu der erweiterten Portraitreihe Metamorpha. #Trikolore verweist auf die Toleranz und die Gleichheit der Religionen. In seinem Werk „Nathan der Weise“ bringt Lessing, in der dort erzählten Ringparabel, diesen zentralen Gedanken der Aufklärung zum Ausdruck. In allen drei Motiven von Trikolore findet sich der Ring, jeweils als Projektion aus dem ersten fotografischen Bildteil, wieder. Die Religionen sind über äußere Erkennungsmerkmale, wie das jüdische Gebetsband, das christliche Kreuz oder der muslimischen Verschleierung, erkennbar. Die Aufnahmen zu Trikolore wurden mit der selben Protagonistin umgesetzt, um den einheitlichen Ursprung der Religionen Judentum, Christentum und Islam zu betonen. Das Thema bezieht sich gegen die gegenwärtige, durch radikale Gruppen gezielt beeinflusste, weltpolitische Entwicklung, die Ausgrenzung, nationale und gedankliche Abschirmung und gewalttätige Auseinandersetzungen ins innere der Gesellschaft dringen lässt. Die drei Portraits lassen ein gesellschaftliches Nebeneinander und Miteinander der Religionen sichtbar werden. Kein dramatischer Kampf der Kultur findet statt, sondern wir sehen eine stupende Entfaltung des Reichtums der Möglichkeiten humaner Existenz.

nächste Ausstellung / upcoming show:

Metamorpha # vom 15.09. – 14.10.2017

Galerie Carpentier, Meinekestraße 13, 10719 Berlin

Vernissage: 15.09.2017 um 19 Uhr

Finissage:    14.10.2017 von 15 – 19 Uhr

 www.carpentier-galerie.de

Flickr Metamorpha