»Schattiges Licht – 25 Jahre Dayton«
Too many are still fighting the bosnian war

Ausstellung in Planung für Oktober 2020 im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie, EMOP-Berlin

Titelbild: “Der Poet“. In Zeiten von erstarkenden Nationalismus haben Monumente für die Opfer und den Kampf gegen von Faschismus einen schweren Stand. Die ehemalige Form des Partisanen Denkmals, im Volksmund “Die Faust von Tito” genannt, zerstörten Vandalen im Jahr 2000. Reduziert auf die Holzinnenkonstruktion behält es seinen Charakter bei und steht weiterhin wie der Rumpf eines Flaggschiffes gegen Nationalismus und Faschismus auf dem Bergplateau am Makjen Pass.

Das Friedensabkommen von Dayton hat im November 1995 die Kampfhandlungen des blutigen Bürgerkriegs in Bosnien und Herzegowina ( 1992 – 1995 ) beendet und den ersehnten Frieden gebracht. Mit dem Vertrag von Dayton wurde die multiethnische Gesellschaft für die Möglichkeit auf Frieden geopfert und die nationalistischen Kriegsziele, wie ethnisch-religiöse Zonen und ein geteiltes Land, fest geschrieben. Nicht vorgesehen, ist das Abkommen zu einer komplizierten, nicht reformierbar angelegten Verfassung geworden.
Die ersten freien Wahlen führten die Machtverhältnisse aus dem Krieg wieder ein. Eine hohe Korruption und Verstrickung der Politik in kriminelle Strukturen lassen seit dem jede positive Veränderung im Keim ersticken. Zu viele von ihnen kämpfen den Bosnienkrieg auf der bürokratischen Ebene weiter. Damit haben sie in den letzten zwei Jahrzehnten das Land in seiner Entwicklung in den Stillstand geführt und den eigenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Abstieg verursacht.

Die gravierende Folge aus diesem Stillstand und der ausbleibenden wirtschaftlichen Entwicklung ist die Abwanderung aus allen Landesteilen. Städte, Dörfer und Landstriche leeren sich. Das Ausbluten von Bosnien und Herzegowina spitzt sich dramatisch zu. Jeder Mensch der geht oder gegangen ist reißt eine Lücke in die bosnische Gesellschaft.

Mit der Absage weiterer Aufnahmegespräche für einen EU Betritt an die Westbalkanstaaten im September 2019 besiegelte die EU ihre Abschottung auch Richtung Südosteuropa. Mit der EU-Außengrenze auf dem Balkan führt 30 Jahre nach dem Fall der Mauer wieder eine starre Grenze durch Europa. Tausenden MigrantInnen stranden in Bosnien und bringen ein weiteres Spannungsfeld in die fragile Gesellschaftslage hinein. Alle MigrantInnen auf der Balkanroute, die keinen Zugang in eine Aufnahmestellen der IOM ( Internationale Organisation für Migration / UN ) erhalten, sind der Obdachlosigkeit ausgesetzt und müssen sich in wilden Camps durchschlagen.

Die stagnierte gesellschaftliche und politische Entwicklung des Landes ist ein Parameter für die EU geworden. In wie weit reicht ihr politischer Wille und Stärke noch, die festgefahrene Struktur ihres eigenen Protektorats neu zu ordnen und damit den notwendigen positiven Wandel nach europäischen Werten einzuleiten. Die Brisanz ist hoch. Gelingt ihr es nicht, verliert sie in einem europäischen Land weiter an Einfluss und weist auch auf ihren eigenen Zustand hin.

Die Farb- und Schwarzweißfotografien sind dokumentarisch angelegt und spiegeln ein erzählendes Bild der aktuellen Situation Bosnien-Herzegowinas wider. Die Aufnahmen sind aus einer beobachtenden Position heraus fotografiert, die bewusst ohne dramatische Aufladung im Motiv auskommt. Dieser Entschluss weist auf ein Zitat von Susan Sontag, die selbst im umkämpften Sarajevo war. Susan Sontag schrieb in ihrem Buch, das leiden anderer betrachten, dass die täglichen Nachrichten über die kriegsleidende bosnische Bevölkerung nichts anderes mehr sind, als abendliche Unterhaltung in den westlichen Wohnzimmern.

Vorgeschichte:
Der Serie „Schattige Licht – 25 Jahre Dayton“ ist eine Zusammenarbeit zwischen York und der Dänischen Kunstgruppe Superflex im Jahr 2001 zur 2. Berlin Biennale in den KunstWerken vorausgegangen. Gemeinsam wurde das Projekt „Superchannel“ installiert. Ziel des Projekt war es in den Städten des ehemaligen Jugoslawiens Zagreb, Sarajevo und Belgrad Internetsendestudios einzurichten, über die die junge Generation ihre kreativen Beiträge und Musik teilen konnten. Die Errichtung eines Studios für die Jugend in Donji Lapaz ist an einer fehlenden Infrastruktur gescheitert. Im Superchannel Berlin waren die Beiträge der anderen Studios auch zu sehen und es wurden eigene Beiträge aus den KunstWerken gesendet. Die Superchannelstudios boten jungen Menschen eine Plattform, im damaligen Rahmen des aufkommenden Internetbroadcast, über die nationalistischen Einstellungen der älteren Generation hinweg, ihre Beiträge, Ideen und kreativen Arbeiten, wie z.B. Kurzfilme, Interviews und Musik zu präsentieren. Über Superchannel hatte die jüngere Generation der ehemaligen Kriegsgegner die Möglichkeit sich zu vernetzen und den Dialog zu stärken.