Auflage 10 +1AP, Format: 50 x 70 | 75 cm, C-Print, Aludibond, zertifiziert, nummeriert, signiert,
Auflage 4 + 1AP, Format: 100 x 140 cm, C-Print, Aludibond, zertifiziert, nummeriert, signiert

Katalog »Trierlogie«│nummerierte Auflage │ 48 Seiten │ Preis: € 25

»Trierlogie« ist eine fotografische Erzählung über meine Geburtsstadt Trier., die auf die short-stories »Berlin« folgt. Trier kann nicht ohne die historische Prägung der eigenen Stadtgeschichte wahrgenommen werden. Die Stadt ist mit der hohen Anzahl der alten Gemäuer eher wie ein großes Museum, als zeitgenössisch. Obwohl diese Behauptung sich so nicht halten kann.. Denn das Zeitgenössische ist hier nur viel stärker durch die Historie beeinflusst und legt jedem, der hier aufgewachsen ist, ein selbstverständliches Bewusstsein für Geschichte und den Verlauf von Zeit in die Wiege. In den Fotografien sind markante Orte zu sehen, die sich in der Abgeschiedenheit der Nacht und deren Licht in ihrer Eigenheit zeigen.

Notiz Februar 2007:
“Mein erster Ansatz der Serie liegt in der Nacht. Es regnet in Strömen. Ich parke  das  Auto  und  blicke  durch  die  regennasse  Scheibe  auf  den erleuchteten  Eingangsbereich  eines  Kinos.  Ich  nehme  die  Kamera  aus  der Tasche,  aber  bevor  ich  auslöse,  wird  mir  klar,  dass  ich  dieses  Bild  schon gesehen habe. Ich verlasse das Auto und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. An der Fußgängerunterführung angekommen, sehe ich, wie das Wasser  seitlich  an  den  Treppen  herunter  läuft.  Ich  folge  dem  Lauf  des Wassers nach unten in die Unterführung. Auf dem Boden sammelt sich das Regenwasser,  es  riecht  nach  Urin  und  die  Wände  sind  voller  Graffiti.  Der Aufgang, den ich früher benutzt hatte, um in die Parkanlage zwischen den zwei großen Alleen zu gelangen, ist mit einer Bretterwand verschlossen. Ich begebe  mich  auf  die  andere  Seite  des  unterirdischen  Sees.  In  diesem Moment  wird  mir  bewusst,  dass  ich  mich  mitten  im  ersten  Motiv  meiner Trier-Serie befinde.”

Ein Sinnbild für meine Ausstellungsreihe ist die Aufnahme der Rückwand des Simeonstifts geworden. Es ist eine alte Mauer, gebaut aus Steinen verschiedener Epochen. Der Aufbau der Steinmauer stellt ein Vergleich zu meinem Arbeitsprozess und dem Resultat der Ausstellungsreihe dar. Alte Fotografien ergeben eine Inspiration zu einer neuen Aufnahme oder werden wieder aufgegriffen oder Berichte und Erinnerungen führen in Streifzügen durch die nächtliche Stadt zu neuen Bildern. In Trierlogie steht jedes Motiv einzeln für sich, erzählt seine eigene Geschichte und ist im zweiten Blick übergreifend mit den anderen Motiven verbunden.

Eine zweite Erzählebene in »Trierlogie« öffnen Zitate aus einem Interview von 1970 mit meiner Urgroßmutter Bertha Zirvas. In diesem Interview berichtet sie aus ihrem Leben in Trier ab dem Jahre 1910 an. Die Auswahl der Textstellen umschließen hauptsächlich ihre Erzählungen über die Zeiten der ersten beiden Weltkriege in Trier. Die sichtbaren Kriegsentwicklungen, die ersten Kriegsjahre, die Zwangsevakuierung durch die Nazis im März 1945, die Rückkehr in ein befreites, durch die Kämpfe der letzten Kriegstage stark zerstörtes Trier, die Folgen des Krieges, das Warten auf die Angehörigen in Gefangenschaft und das Nachkriegsleben. Ich habe bewusst die Textzeilen aus dem Interview mit meiner Urgroßmutter Bertha Zirvas ausgewählt, die eine Zeit in Trier beschreiben, die dem heutigen Stadtleben fern zu sein scheint. Die Krisen- und Kriegsgebiete haben sich in andere Länder verschoben. Die heutige weltpolitische Entwicklung weist mehr kriegerische Auseinandersetzung als zur Zeit des 2. Weltkrieges auf. Als wären die Rückschlüsse, die aus den Folgen der beiden Weltkriege gezogen wurden und die Erkenntnisse daraus, wieder vergessen worden.

[ … ] “Nach zwei Tagen bekamen wir durch einen Bekannten die Nachricht wir sollten sofort nach Trier kommen, Klara wäre in Gefahr. Mein Mann ich ich nahmen unser Fahrrad, banden unsere kleinen Habseligkeiten, die wir mitgenommen hatten, an das Fahrrad und gingen von Dhron bis nach Trier. Zwei Tage brauchten wir dazu. Es war in der Karwoche 1945. Wir kamen an die “alte Brücke” auf Gründonnerstag. Die Posten sagten vor Ostern wird niemand mehr in die Stadt Trier eingelassen. Wir stellten unser Fahrrad in eine Ecke. Es sehe es heute noch vor mir: ein Spazierstock mit dem Silbergriffel, einen Schirm und denn einen Sack mit den Kleinigkeiten was wir noch hatten. Auf einmal wurde es dann bekannt, es fährt noch ein Transport nach Trier.  Mein Mann und ich setzten uns in den Lastwagen und wurden von den Amerikaner registriert.” 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

alte Brücke | Römerbrücke ©

“Im Herbst ’46, da kam Bernhard aus Gefangenschaft zurück. Er sah schrecklich aus. Und er erzählte dann, dass er in französischer Gefangenschaft einen Leutnant kennengelernt hatte, der uns in Dhron erlebt hatte, wie wir in der großen Not eine Unterkunft in einem Weinkeller gefunden haben. Bernhard war glücklich, nun wusste er, dass wir noch am Leben waren. Zur Zeit, als ich zur Kur in Wiesbaden war, war Bernhard als Chauffeur bei den Amerikanern und so konnte er mir hier und da etwas Kaffee oder sonst etwas besorgen, denn die Verpflegung im Wiesbadener Sanatorium war denkbar schlecht. Auch in Trier war es mit der Verpflegung nicht besser geworden. Man hisste in Trier sogar die schwarze Fahne.”

 “An einem Novembertag, wie jede Woche einmal, kamen aus dem Radio die Namen wer aus Gefangenschaft entlassen würde. Ich saß am Radio und hörte: Fritz Reuter, geboren 13.Oktober 1908 in Saarbrücken. Nun war unsere Freude groß. Agnes ging zur Bahn um Fritz abzuholen. Er kam mit einem alten abgerissenen Mantel, an den Füßen Schuhe, die man nicht als Schuhe bezeichnen konnte, mit kurz geschnittenen Haaren. Er saß dann im Zimmer, wir holten die Kinder. Anne war im Kindergarten und Ursel und Hans-Jörg schon in der Schule. Hans-Jörg kam dann und sagte, ja das ist mein Vater. Ursel und Anne standen da und betrachteten ihn nur. Wir sagten dann: „Nun gebt dem Vater dann einen Kuss.“, da sagte Ursel: „Wir müssen ihn erst mal waschen und schön anziehen“. Agnes ging aber hin und gab ihm einen Kuss. Ich saß dabei und vergoss Tränen. […] “.   Bertha Zirvas, 1970

Link: Soundcloud Interviewausschnitt Bertha Zirvas
Link: Flickr Trierlogie